Burnout bei Kindern und Jugendlichen

Burnout bei Kindern und Jugendlichen: Erschöpfungssymptome bereits in jungen Jahren erkennen

Burnout bei Kindern und Jugendlichen: Erschöpfungssymptome bereits in jungen Jahren erkennen

Galt der Burnout unlängst noch als Phänomen, das nur vielbeschäftigte Manager oder stark beanspruchte Pflegekräfte betrifft, scheint heute niemand mehr davor gefeit. Erschreckend: Immer häufiger tritt der Burnout bei Kindern und Jugendlichen auf. Bereits im Kindesalter fühlen sich die jungen Heranwachsenden gestresst, überfordert und ausgebrannt. Betroffene Kinder und Jugendliche pushen sich inzwischen morgens vor Unterrichtsbeginn mit Energydrinks, um den stressigen Schulalltag bewerkstelligen zu können. Außerdem beklagen gestresste Teenager sich über zahlreiche gesundheitliche Beschwerden, die keinesfalls als alterstypisch oder pubertätsbedingt hingenommen werden können. Woher kommt der massenhafte Burnout bei Kindern und Jugendlichen und wie können Eltern ihre Töchter und Söhne vor dem Ausbrennen bewahren?

Studienergebnisse belegen: Kids & Teenager völlig ausgebrannt

Die Universität Bielefeld veröffentlichte bereits im Sommer 2015 unter dem Titel “Burnout im Kinderzimmer” Studienergebnisse die belegten:

  • Jedes sechste Kind leidet unter Stress (18 Prozent).
  • Jeder fünfte Jugendliche ist extrem gestresst (19 Prozent).

Die Folgen für die gestressten Kinder und Jugendlichen sind gravierend. Laut der Studie seien 11 Prozent der gestressten Jugendlichen depressiv. Als Versager fühlen sich 13,6 Prozent und 47,2 Prozent der Teenager gaben an, sie fühlten sich manchmal als “nutzlos”.

Burnout-Problematik bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Eine neuere, von der Krankenkasse DAK durchgeführte Studie, deckt auf:

43 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 ist der Belastungstrass in der Schule zu viel.

Dieses Burnout-Studienergebnis bei Kids zeigt: Die Anzahl der ausgebrannten Schüler nimmt rasant zu.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/77981/Fast-jeder-zweite-Schueler-leidet-unter-Stress

Kids klagen über Burnout-Symptome

Gestresste Schüler klagen mindestens doppelt so häufig über nachfolgende somatische Beschwerden, wie ungestresste Jungen und Mädchen:

  • Kopfschmerzen (55 %)
  • Bauchschmerzen (51 %)
  • Rückenschmerzen (43 %)
  • Schlafstörungen (35 %)
  • Schwindel (32 %)

Quelle: Präventionsradar DAK, Seite 12

Die seelischen und gesundheitlichen Folgen des Burnouts im Kindes- und Jugendalter sind fatal. Bei anhaltendem Belastungsstress sind Depressionen, andere seelische Erkrankungen und Suchtverhalten häufig das Ergebnis.

Stress treibt Schüler in Suchtverhalten

Gestresste Schüler flüchten in Aufputschmittel, trinken stark gesüßte Energy Drinks, konsumieren Alkohol und Cannabis.

  • 17 Prozent sind übergewichtig
  • 22 Prozent aller Fünftklässler haben bereits Alkohol getrunken.
  • 89 Prozent aller Zehntklässler trinken Alkohol.
  • 29 Prozent der Zehntklässler haben bereits Cannabis probiert.

Zudem vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen erhöhter Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und einem erhöhten Risiko, im späteren Lebensalter an Osteoporose zu erkranken (Quelle: https://m.aerzteblatt.de/news/60173.htm).

Die Stressfaktoren für Kinder und Jugendliche

Es kommen zahlreiche Stressfaktoren in Betracht, die Burnout bei Jugendlichen und sogar bei Kindern verursachen. Schon im Kindergartenalter erleben Kleinkinder Stress, wenn sie morgens besonders früh aufstehen müssen und neben dem Besuch in der Kindertagesstätte weitere Termine am Nachmittag haben.

Info: Selbst lange Schulwege werden als belastender Stress wahrgenommen. Insbesondere Schüler auf den weiterführenden Schulen haben teilweise einen Schulweg von 30 Minuten, 45 Minuten oder länger. Lange Schulwege sind nicht nur Stressfaktoren, sondern reduzieren auch die Regenerationsphasen von Kindern und Teenagern, da sie viel früher aufstehen müssen, als Kinder, die eine örtliche Schule nahe des Wohnorts besuchen. Der lange Nachhauseweg am Nachmittag verkürzt ebenfalls die qualitative Freizeit, die der Erholung dienen sollte.

Vom Kleinkindalter bis ins Teenageralter unterliegen die Kids zahlreichen an sie gerichteten Anforderungen:

  • frühes Aufstehen
  • Förderung schon im Kleinkindalter (Frühförderung)
  • lange Schulwege
  • hoher Leistungsdruck in der Schule
  • Hausaufgaben und Lernen am Nachmittag
  • Nachhilfe-Termine

Nicht nur die wahrgenommene schulische Belastung macht die Schüler fertig, sondern auch Mobbing und Gewalt in der Schule. Weitere Stressfaktoren stellen die übrigen Termine am Nachmittag dar, wie Training im Sportverein, Musikunterricht, Hausaufgabenbetreuung usw..

“Normale” Kinder genügen den Ansprüchen der Erwachsenen nicht mehr

Kinder müssen Kinder sein dürfen

Kinder müssen Kinder sein dürfen

Einfach mal rumgammeln, mit Freunden abhängen oder spontan auf den Spielplatz gehen, ist für vieles Kids nicht mehr drin. Stattdessen erlebt die Familie tagtäglich einen straff durchgeplanten Alltag, der nur noch wenig Spielraum für erholsame Freizeit zulässt. Eltern unterliegen dem gesellschaftlichen Druck, Superkids heranziehen zu müssen. Von Kindern und Jugendlichen wird erwartet, dass sie die Vokabeln im Schlaf können, schulisch erfolgreich, musisch gebildet und sportlich trainiert sind. Selbst gute Schüler sind nicht gut genug und müssen sich neben dem Schulunterricht und den Hausaufgaben oft auch noch mit Nachhilfestunden herumplagen, um noch bessere schulische Leistungen abzuliefern.

Eine Bertelsmann-Studie hat herausgefunden, dass 1/3 aller 1,2 Millionen Schülern mit Nachhilfeunterricht keine schlechten Noten hat, aber trotzdem zusätzlich am Nachmittag gefördert – und somit wohl auch überfordert – wird. Der Förderwahn greift nicht nur in die schulischen Belange der Kids ein, sondern sogar bei den Hobbys. Einmal Sporttraining oder Musikunterricht in der Woche genügt nicht. Wer wirklich etwas können soll, muss vielleicht sogar 5 Mal die Woche zum Sport oder in die Musikschule. Dass bei so viel Leistungsdruck und Erwartungshaltungen der Burnout bei Kindern und Jugendlichen stetig zunimmt, ist also kein Wunder.

Tipp: Mehr Achtsamkeit statt Leistungsdruck. Gönnen Sie sich und Ihren Kindern öfter eine erholsame Auszeit, um Stress und Druck abzubauen. Nähere Infos im Artikel “Achtsamkeitstraining – dem Burnout vorbeugen”.

Wie Sie als Eltern das Burnout-Risiko Ihres Kindes reduzieren können

Die Erwartungshaltung, dem eigenen Kind einen guten Weg in die Zukunft zu ebnen, wenn man es als Vater oder Mutter möglichst früh und besonders intensiv fördert, kann genau das Gegenteil bewirken, weil der Nachwuchs oft über seine individuellen Leistungsgrenzen getrieben wird. Der dabei als negativ empfundene Stress ist ein Krankmacher, der in den Kinder und Jugendliche in den Burnout führen kann.

Info: Burn-Out gilt bereits heute als Volkskrankheit der Erwachsenen und der Ausweg aus dem Burnout gestaltet sich als extrem schwierig. Kinder und Jugendliche, die bereits im jungen Alter am Burnout leiden, können sich kaum zu einem glücklichen und leistungsfähigen Erwachsenen entwickeln.

Prof. Dr. Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, rät Eltern, die Kinder so zu akzeptieren wie sie sind. Dazu gehören die individuellen Stärken des Kindes, aber auch seine Schwächen. Kein Kind muss leistungsoptimiert werden und zwingend die akademische Laufbahn einschlagen.

Eltern-Kind-Beziehung: Die richtige Basis für die Entwicklung

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Viel wichtiger sei ein neuer Denkansatz dahingehend, dass junge Menschen ihr Glück auch ohne Förderwahn finden und ohne überzogene Erwartungshaltungen einer, zwar vielleicht weniger karriereorientierten Zukunft, dafür aber einem umso gesünderen Leben entgegenblicken können.

Die beste Prävention gegen Burnout bei Jugendlichen ist die Gelassenheit der Eltern sowie das Vertrauen von Mutter und Vater in Töchter und Söhne, die ihren Weg meistern werden. Denn Kinder und Jugendliche, die ausreichend Freiräume zur individuellen Entfaltung haben und ohne Optimierungsdruck Kindheit und Jugend genießen dürfen, behalten ihre natürliche Freude am Lernen und ihre angeborene Neugier, die Welt für sich zu erobern – das beste Rüstzeug, für ein erfolgreiches, glückliches und gesundes Leben ohne Burnout.
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Buchtipp

Das Buch "Burnout kommt nicht nur von Stress" enthält zahlreiche Hilfestellungen und Ansatzpunkte sowie Auswege aus der beschwerlichen Situation beim Burnout-Syndrom.

Hinweis

Das Informationsangebot rund um Burnout auf www.burnout-syndrom-hilfe.eu ist ausschließlich zu Informationszwecken gedacht und ersetzt nicht die Beratung eines Arztes oder Psychologen.

Bitte vereinbaren Sie im Falle von ernstaften Beschwerden und Symptomen von Burnout einschließlich von Schlafstörungen und -beschwerden einen Termin bei Ihrem Arzt oder einem Psychotherapeuten.

Die auf diesem Portal bereitgestellten Informationen dürfen nicht ohne Absprache mit Ihrem Arzt zu Zwecken eigener Diagnosen, Therapien oder Eigenmedikation verwendet werden.