CBASP – neue Therapie für chronisch Depressive

CBASP: Therapie für chronische Depression

CBASP: Therapie für chronische Depression

Hinter der Abkürzung CBASP verbirgt sich ein noch relativ junges Behandlungsmodell gegen chronische Depression. Die fünf Buchstaben stehen für Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy, wobei es sich um ein Behandlungsverfahren handelt, das von Professor James P. McCullough Jr. (Virginia Commonwealth Universität, USA) entwickelt wurde. Seine Besonderheit: Die Therapie wurde speziell für chronisch depressive Menschen entwickelt, die mindestens seit zwei Jahren ununterbrochen unter Depressivität leiden.

Was ist der Ansatz der CBASP Therapie?

Professor James P. McCullough Jr. hat diese Therapieform für Patienten entwickelt, die als junge Erwachsene immer wieder schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht haben. Bei den Betroffenen hat sich als Folge zunächst eine schwache Depression (Dysthymie) gebildet, die im weiteren Verlauf auch mit Phasen mittlerer bis schwerer depressiver Episoden einhergeht. Betroffene Patienten sind in ihrem Verhalten rigide, hoffnungslos und davon überzeugt, dass sie keine Möglichkeiten haben, die depressive Stimmung zu beeinflussen.

CBASP ist eine Therapieform, die sich auf verschiedene bedeutsame psychologische Denkansätze stützt und kognitive, behaviorale, interpersonelle sowie psychodynamische Strategien mit einbezieht. Dabei werden nachfolgende psychologische Theorieansätze zugrunde gelegt:

  • Piaget: Theorie der kognitiv-emotionalen Entwicklung
  • Kiesler: Interpersonelle Theorie (Kiesler-Kreis)
  • Skinner: Operante Konditionierung
  • Seligmann: Theorie erlernter Hoffnungslosigkeit
  • Bandura: Theorie über soziales Lernen

Nach der Entwicklungstheorie von Jean Piaget schließen Kinder im Alter von circa 7 Jahren die Phase des präoperatorischen Denkens ab. Die Kinder entwickeln danach erste Grundlagen des emphatischen Verstehens und erlernen die Fähigkeit, sich in die Lage anderer Menschen hineinversetzen zu können. Mit diesem Entwicklungsprozess wächst auch das Verständnis dafür, dass Menschen mehrere Möglichkeiten haben, auf Situationen zu reagieren und das in der Vergangenheit gemachte Erfahrungen zukünftiges Handeln beeinflusst.

Die Entwicklungsgeschichte des Betroffenen einbeziehen

Unter der Annahme, dass bei chronisch depressiven Patienten in der Vergangenheit es durch einschneidende Erlebnisses zu einer Entwicklungsblockade kam, geht McCullough davon aus, dass die dynamische Interaktion zwischen Patient und Umwelt durch traumarisierende Lebenserfahrungen gestört ist und es zu einer Störung im Entwicklungsverlauf kam, so dass nach Abschluss der präoperatorischen Phase keine altersgerechte Weiterentwicklung stattfinden konnte.

Die These: Chronisch Depressiven fehlt die Erkenntnis, wie das eigene Verhalten wirkt und welcher Zusammenhang zwischen eigenem Verhalten und Konsequenzen besteht.

McCullough vertritt die Annahme, dass Patienten die eine chronische Depression haben, im Bezug auf ihre Denkweisen den Reifegrad eines Kindes aufweisen, das noch in präopertorischen Mustern verhaftet ist. Sowohl chronisch depressive Erwachsene, wie auch Kinder mit präoperatorischer Reife weisen die nachfolgenden Gemeinsamkeiten auf:

  • globales und prälogisches Denken
  • durchgängig Ich-zentriertes Denken
  • bei Stress geringe affektive Kontrolle
  • nicht zugänglich für logische Denkweisen und Argumentationen
  • verbale Kommunikation hauptsächlich durch Monologe geprägt

Elementare Behandlungsziele der CBASP Therapie für Menschen mit chronischer Depression sind:

  • Erkennen lernen, dass es zwischen eigenem Verhalten und Konsequenzen einen kausalen Zusammenhang gibt.
  • Weiterentwicklung des zum Stillstand gekommenen Reifeprozesses und Erlernen authentischer Empathie.
  • Erlernen sozialer Fertigkeiten zum Lösen von Problemen (Bewältigungsstrategien).
  • Aufnahme des interpersonellen Heilungsprozesses, um das Trauma/die Traumata zu bearbeiten.

Wie verläuft die CBASP Therapie?

Im ersten Schritt werden wichtige prägende Bezugspersonen in einer Liste erfasst, um anschließend zu analysieren, welchen Einfluss diese Personen auf die Lerngeschichte des chronisch Depressiven hatten. Im Fokus stehen dabei grundsätzliche Annahmen (Lebensmodelle und Lösungsansätze), die von den entsprechenden Personen erlernt und übernommen wurden.

Weiterführender Wikipedia-Artikel zu CBASP (nur englischsprachig): https://de.wikipedia.org/wiki/Cognitive_Behavioral_Analysis_System_of_Psychotherapy

Situationsanalyse: Zusammenhang zwischen Verhalten und Konsequenz kennenlernen

Der CBASP Therapeut analysiert gemeinsam mit dem Patienten, inwiefern diese erlernten Grundannahmen den Umgang mit anderen Menschen in der derzeitigen Situation beeinflussen und ob sich das Verhalten des Patienten auf die aktuelle Situation positiv oder negativ ausgewirkt hat. Die Einschätzung des Patienten wird dabei ebenfalls analysiert und gegebenenfalls im Rahmen der CBASP Therapie korrigiert.

Interpersonelle Strategien: Andere Menschen – andere Reaktionen

CBASP: Erfolgreiche Therapie bei chronischer Depression

CBASP: Erfolgreiche Therapie bei chronischer Depression

Damit der chronisch depressive Patient künftig das Verhalten anderer Personen richtig interpretieren kann, erlernt er durch interpersonelle Diskrimininationsübungen (IDE) neue Strategien. Diese sollen dem chronisch Depressiven dabei helfen, besser zu erkennen, dass verschiedene Menschen jeweils individuelle Verhaltensmodelle anwenden und es mehrere Reaktionsmöglichkeiten auf ein- und dieselbe Problemlage gibt.

Ebenfalls wird das Patienten-Therapeuten-Verhältnis analysiert und der Therapeut beschreibt in der CBASP Therapie auch seine eigenen Empfindungen, die in einer Konfliktsituation das Verhalten des Patienten bei ihm ausgelöst hat. Anhand der Interaktion mit anderen Menschen, insbesondere auch mit dem Therapeuten, werden neue Verhaltensfertigkeiten erlernt, um beispielsweise auch die Selbstwahrnehmung und die Selbstsicherheit zu verbessern.

Der Therapeut oder die Therapeutin engagiert sich bei dieser innovativen Therapieform persönlich und auch konfrontativ, wodurch es dem Patienten leichter fallen soll, alte dysfunktionale Beziehungsmuster zu erkennen und negative Interaktionsmuster durch die therapeutische Arbeit zu verändern.

Wie wirksam ist die CBASP Therapie?

Dem Behandlungsmodell CBASP wird laut einer im Jahre 2000 veröffentlichten Studie eine gute Wirksamkeit testiert. Demnach soll die noch relativ neu entwickelte Therapieform CBASP bei chronischer Depression eine ebenso gute Wirkung erzielen, wie die Behandlung mit einem Antidepressivum, welches allerdings aufgrund schwerer Nebenwirkungen mittlerweile vom Markt genommen wurde. Bei der kombinierten Behandlung mit CBASP und einem Antidepressivum soll im Rahmen der Studie bei 85 % der Probanden nach zwölf Wochen eine signifikante Verbesserung der depressiven Symptomatik eingetreten sein.

Abschließende Buchempfehlung zu CBASP:
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