Burnout am Arbeitsplatz – eine Frage der beruflichen Einstellung?

Die Ursachen des Burnout-Syndroms sind oft sehr komplex und schwierig zu analysieren. Nicht selten wird die Lebensenergie durch unterschiedliche Einflüsse aufgezehrt – so auch durch den Arbeitsplatz:

Burnout-Syndrom-Ursache: Arbeitsplatz

Burnout-Syndrom-Ursache: Arbeitsplatz

Als er den Job annahm, war er der glücklichste Mensch auf Erden. Er feierte eine Party, dann legte er sich ordentlich ins Zeug. Er strampelte, wo es ging, vergaß Freunde, vergaß Familie, Hobbys und Urlaub, war in Freizeit und Krankheit für den Chef erreichbar. Trotzdem kam er nicht vom Fleck. Nach fünf Jahren wachte er morgens auf und stellte sich die Frage: „Wozu?“

Sie wusste, es würde schwer werden. Allein erziehend, selbstständig, erfolgreich. Sie würde es schaffen. Drei Jahre hielt sie durch, dann brach sie zusammen. Dass sie den Laden verlor, traf sie nicht so sehr wie die Tatsache, dass ihre Kinder inzwischen gelernt hatten, für sich selbst zu sorgen.

Er war eigentlich zufrieden in seinem Job, bis der neue Chef kam. Und mit ihm Reformen, Umgestaltung, Mitarbeiterförderung, Incentives, Pläne, Ziele und Motivation, Motivation, Motivation. Es traf ihn hart, dass seine Kompetenzen nach zwanzig Jahren im Betrieb plötzlich nicht mehr ausreichen sollten. Fast noch härter als die Kündigung und das enttäuschte Gesicht seines um Jahre jüngeren Chefs.

Drei unterschiedliche Schicksale, alle haben sie eines gemeinsam: Bei ihnen wurde der Job zum Auslöser einer Burnout-Erkrankung. Man könnte unzählige weitere Beispiele anführen: Der Krankenpfleger, dem nie jemand auf die Beine hilft; Die Call-Center-Angestellte, die sich acht Stunden täglich von wildfremden Leuten anbrüllen lässt, ohne je zu kontern; Der Lehrer, der in den Beruf eintrat, um Wissen zu vermitteln, und hören musste, dass es niemand haben will.

Soziale Funktion der Erwerbstätigkeit

Früher war es einfach: Meist folgten Kinder ihren Eltern in ein ähnliches Berufsleben, welches sie frühzeitig begannen. Sobald die finanzielle Sicherheit hergestellt war, gründete man eine Familie, zog in ein nettes Häuschen und pflegte guten Kontakt zur Nachbarschaft. Man arbeitete für das Geld – die Anerkennung gab’s zu Hause.

Heutzutage beginnt der berufliche Stress mit der Auswahl des richtigen Schulabschlusses. Wenn einem die ganze Welt offen steht – wie kann man sich für einen Weg entscheiden, ohne jemals an dem Entschluss zu zweifeln? Das Wissen, alles potentiell erreichen zu können, geht oft mit einer gewissen Erfolgspanik einher. Der, dem alles offen steht, will oft auch alles haben. Und am liebsten sofort!

Um schnelle Erfolge zeigen zu können, lassen oft junge Berufseinsteiger den Job und den Arbeitsplatz eine zu große Rolle im eigenen Leben spielen. Und hier kommt ein interessantes Phänomen zum Tragen: gerade dem Elternhaus entwachsen und noch lange nicht bereit, eine eigene Familie zu gründen, übernimmt der Job die Rolle der Familie.

Wie schwierig die Situation insbesondere für junge Arbeitnehmer/innen ist, zeigte kürzlich auch eine Umfangreiche Studie der TU Dresden: https://burnout-studie.psych.tu-dresden.de/node/4

Das „Wir-Gefühl“

Burnout am Arbeitsplatz: Verstärkt durch Social Media

Burnout am Arbeitsplatz: Verstärkt durch Social Media

Verstärkt wird der familiäre Charakter durch Social Media-Kanäle, die „der Einfachheit halber“ auch ganze Abteilungen aus dem Umfeld des eigenen Arbeitsplatzes in praktischen Chatgruppen zusammenfassen, die sich dann immer und überall gegenseitig auf dem Laufenden halten können. Das führt zu einer zwanghaften Omnipräsenz des Berufes im privaten Alltag. Krankheit und Urlaub werden zu relativen Begriffen, denn „zur Not“ kann man jeden überall erreichen, selbst wenn er gerade im Krankenhaus liegt oder seine Flitterwochen verbringt.

Anspruchsvoller Job: Fördern und Fordern

„Und bist du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt!“ Heutzutage wird von einem Mitarbeiter mehr erwartet, als nur seinen Dienst zu tun. Er soll ja mitdenken. Die Firma voranbringen. Sich mit dem Unternehmen identifizieren, damit der Unternehmenserfolg auch zum persönlichen wird. Das sind feine psychologische Spielereien, die dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich mitunter mehr für ihren Beruf engagieren, als gesund für sie ist. Vielen fehlt das Bewusstsein dafür, dass dies wenig nachhaltig gedacht ist.

Wer heute beim Vorstellungsgespräch auf die Frage „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren“ etwas Ungewisses antworten, kann die Stelle meistens vergessen. Wer sich konsequent weigert, an Schulungen, Weiterbildungsmaßnahmen und „Incentives“ teilzunehmen, darf damit rechnen, stattdessen zu unerfreulichen Mitarbeitergesprächen eingeladen zu werden.

Durch messbare Leistung und transparenten Vergleich können Mitarbeiter heute richtiggehend „genormt“ werden. Sollte sich einer als Schwächer erweisen als der Durchschnitt, so gilt das oft nicht mehr als menschlich, sondern als fehlerhaft.

Besonders interessant wird berufliche Förderung allerdings auch dann, wenn der Mitarbeiter zwar will, der Chef jedoch nicht. Unterforderung kann ebenso zu berufsbedingtem Burnout führen wie Überforderung. Lesen Sie hier mehr über den Arbeitsplatz als Ursache für Burnout: https://www.das-burnout-syndrom.de/ursachen/arbeitsplatz.html

Burnout durch Mobbing am Arbeitsplatz

Burnout durch Mobbing am Arbeitsplatz

Burnout durch Mobbing am Arbeitsplatz

Nicht nur bei der Kindererziehung gibt es verschiedene Erziehungsstile. Auch für Führungskräfte gibt es diverse Ansätze, um sich den nötigen Respekt der Untergebenen zu verschaffen. „Bossing“ oder „Führung durch Demütigung“ ist einer davon. Dazu gehören neben übertriebener fachlicher Kritik auch persönliche Angriffe, Entzug jeglicher Form der Anerkennung und die Übertragung von Aufgaben, die weit unter der Qualifikation des Mitarbeiters stehen.

Wer das Gefühl hat, von seinem Chef gemobbt zu werden, sollte schnell Grenzen setzen und sich gegebenenfalls Hilfe beim Betriebsrat, der Personalabteilung, dem „Ombudsmann“ oder beim Bürgertelefon für Arbeit und Soziales holen. Für eine erste Hilfestellung empfehlen wir außerdem unsere Tipps gegen Mobbing!

Burnout durch Selbstständigkeit

Selbstständigkeit hat Vorteile. Freie Zeiteinteilung, persönliche Zielsetzung, kreative Freiheiten und eigenständig verhandelbares Gehalt sind nur einige davon. Viele jedoch unterschätzen die zusätzlichen Pflichten, die auf Selbstständige und Freiberufler zukommen. Sie müssen gleichzeitig Außendienstler, Hersteller und Buchhalter sein, um ihr Unternehmen auf den richtigen Weg zu bringen und auch tatsächlich am Laufen zu halten.

Nicht zuletzt ist der Erfolgsdruck bei Selbstständigkeit weitaus höher als bei Angestellten, die ihr monatliches Einkommen nicht allein von der persönlichen Leistungsfähigkeit abhängig machen müssen. Die Angst, im Job zu versagen, wird nirgendwo so sehr mit persönlichem Versagen gleichgesetzt wie in der Selbstständigkeit.

Fazit

Berufliche Misserfolge führen heute mehr denn je zu persönlichen Grenzerfahrungen, da der Job längst nicht mehr nur ein Mittel ist, um Geld zu verdienen. Weniger gefährdet sind die Menschen, die neben dem Beruf noch einige weitere Quellen unterhalten, aus denen Sie beizeiten Wertschätzung, Ruhe und Kraft schöpfen können.

Sind Sie selber von Burnout am Arbeitsplatz betroffen, lesen Sie hier mehr über die Burnout-Therapie oder führen Sie unseren kostenlosen Burnout-Test durch!

Buchtipp

Das Buch "Burnout kommt nicht nur von Stress" enthält zahlreiche Hilfestellungen und Ansatzpunkte sowie Auswege aus der beschwerlichen Situation beim Burnout-Syndrom.

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Hinweis

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Bitte vereinbaren Sie im Falle von ernstaften Beschwerden und Symptomen von Burnout einschließlich von Schlafstörungen und -beschwerden einen Termin bei Ihrem Arzt oder einem Psychotherapeuten.

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